07 July 2006

2 - Windhoek

Die ersten Momente in einem neuen Land sind immer die ganz Speziellen. Ich versuche, ganz achtsam zu sein und sie als etwas Besonderes wahrzunehmen. Hier war es die kristallklare, prickelnde Luft, die uns begrüßte und die Weite. Das Flugzeug sah ganz verloren in ihr aus.

Da wir im Flugzeug hinten saßen, waren wir mit bei den letzten, die ausstiegen, also auch in der Schlange bei der Immigration. Oh weh, wir standen und standen ..... und wurden etwas nervös. Immerhin mussten wir noch die Räder aufbauen und die 50 Kilometer mit 2 Nächten wenigen Schlafes in den Knochen radeln. Die Tage sind im Juli sehr kurz, spätestens um 16.30 Uhr wollten wir im Guesthouse sein.
Während die zuerst ausgestiegenden Leihwagenfahrer mittlerweile wohl schon in Windhoek sein dürften, waren wir gerade erst vor dem Flughafen am Basteln.
Wir fanden ein ruhiges Plätzchen. Ich versorgte uns ständig mit Kaffee und irgendwann waren auch wir auf der Straße.


Dieses Glücksgefühl "on the road again". Afrika!
Begeistert war ich von unserem ersten, damals noch exotischem Straßenschild. Leider ist uns nie ein Kudu vor die Augen gekommen.

Entgegen anders lautender Berichte fanden wir die Straße nach Windhoek vom Verkehr nicht schlimm. Frank hatte erst Probleme mit dem Linksverkehr, ich später mit den Hügeln.
Auf einer Radler-Homepage las ich vom Unterschätzen der Strecke. Der Schreiber fuhr ohne Wasser los. Sein Durst war mir eine Lehre, aber selbst unsere paar Liter reichten nicht. Es zieht sich hin, man ist auch vom Flug ausgedörrt und ausgelaugt. Außerdem wurde es so heiß wie später selbst in der Wüste kaum einmal.

TIPP: Genug Wasser und einen Snack mitnehmen.



Unsere erste Pause unter unserem ersten typisch afrikanischen Baum. Der Blick ging über die Weite zu vereinzelten Inselbergen, die die Entfernungen geradezu unterstrichen.

Unseren Weg durch Windhoek fanden wir einfach, da es zum Guesthouse bis auf die letzte Straße nur geradeaus ging. Allerdings nur in der Horizontalen, nicht in der Vertikalen. Windhoek liegt in recht steilen Hügeln. Nicht ohne Grund ist der Flughafen soweit auswärts gebaut.

Nach einer Erfrischungspause am Vorortskiosk erreichten wir das Rivendell Guesthouse. Hier hatte ich einen absoluten guten Griff getan. Durch Wolfgangs (http://www.bikeafrica.de.vu) Hinweis auf Cardbox GH kam ich zum Rivendell GH (http://www.rivendellnamibia.com/). Es ist genauso schön wie auf der Homepage zu sehen. Ein wunderbarer Ort um anzukommen. Wir picknickten am Swimmingpool, genossen die Pflanzen und die angenehme, ruhige Atmosphäre. Leider war selbst für mich das Wasser im Pool zu kalt, aber das mit den Füßen plantschen war besonders nach der Wüstenradtour sehr nett.
Es gibt eine große Küche, in der man kochen kann. Tee und Kaffee darf man sich einfach nehmen. Daneben gibt es ein "Wohnzimmer" mit Esstisch, Sofa und Fernseher (WM, kleines Finale!). Hier konnten wir während der Radtour Kleinigkeiten hinterlassen und während der Autofahrt unsere Räder und den Yak.

Es gefiel uns so gut, dass wir beschlossen, jegliche Hektik sein zu lassen und eine zusätzliche Nacht zu bleiben. Glückspilze wie wir sind erschienen die Leute nicht, die unser Zimmer reserviert hatten.

Am Sonnabend erledigten wir die Lebensmitteleinkäufe und versuchten, unsere Sorge, nämlich den Transport nach Keetmanshoop anzugehen.
Leider fährt die Eisenbahn nämlich nicht am Sonnabend und Linienbusse mit Fahrradtransport gab es nach meiner damaligen Information nicht. (Später trafen wir Radler, die ihre Räder verpackten und sie so mit nach CapeTown nehmen konnten).
Ja, der Transport über die langen Strecken war wirklich der Punkt, der mir bei der Planung das meistens Kopfzerbrechen machte.
Wir versuchten in Windhoek etwas über die Minibusse herauszufinden, doch keine Chance. Im Rivendell wusste niemand etwas, die Touri-Info war bereits geschlossen, wir wurden auf "irgendwo an der Indepentend" verwiesen und gaben schließlich auf.

Den Nachmittag verbrachten wir sehr angenehm im Cafe am Zoo unter einem riiiiesigen Gummibaum mit Blick auf das wochenendliche Treiben der Bewohner im Park.

TIPP:
  • Im Supermarkt im Wernell (?) Einkaufszentrum an der Mandume Ndemufayo Ave gibt es alles, was Radler's Herz begehrt. Auch Leichtes und Getrocknetes. Selbst "Heiße Tasse", meine Notnahrung, bekommt man dort. Auch den ganzen Sa. geöffnet.
  • Schräg gegenüber ist Cymot, ein Outdoorausrüster. Es gibt blaue Camping-Gas-Kartuschen, was uns besonders glücklich machte. Aus nordafrikanischer Erfahrung heraus hatten wir überhaupt keine Lust auf den Whisperlight und hatten zusätzlich den kleinen Gaskocher eingepackt und: Bingo!
  • Cymot schließt am Sa. um 13 Uhr.
  • Eigentlich wäre das Gas gar nicht nötig gewesen, weil das Benzin deutlich sauberer als in anderen Teilen Afrikas ist. Wir hatten keinerlei Probleme mit verrustem Zeug, verstopften Düsen, verschmierten Klamotten. :-)




Ja, dann gab es einen halbherzigen Versuch, direkt von Windhoek durch das Gebirge in Richtung Namib zu gelangen. So schön die Landschaft auch war, wir drehten nach 30 Kilometern um und übernachteten sozusagen notfallmäßig auf dem teuren und lauten Camping der Aerebusch Lodge am Eros Airport.
Das Beste noch war das Rentnerehepaar nebenan auf ihrem letzten Camping-Trip. Sie luden uns auf einen Klönschnack ein, weil sie uns von ihren Erfahrungen erzählen wollten.

Bitte beachtet das Straßenschild!

06 July 2006

1- von Harburg nach Windhoek

Am 6. Juli 2006 starteten wir unsere Reise auf den afrikanischen Kontinent direkt bei mir zuhause. Eigentlich wollten wir die 15 Kilometer stilgerecht mit Sack und Pack, sprich 9 Gepäcktaschen und einem BobYak (Anhänger) zum Bahnhof fahren. Doch aus praktischen Gründen wurde der BobYak fluggerecht eingeschnürt, incl. Wasserkanister, Kocher, Essen, ....... So fuhr meine Freundin das Gepäck zum Harburger Bahnhof und erwartete uns dort mit einem köstlichen Eisshake. Da es einer der ersten Hamburger heißen Tage war, war es mehr als Willkommen.

Die Zugfahrt war die reinste Erholung. Das Fahrradabteil war fast leer und nebenan fand ich eine freie Sitzbank zum Dösen. Zum ersten Mal in meinem Leben fuhr ich am deutschen Rhein entlang. So starteten meine Reiseeindrücke bereits in Deutschland.

Schweißtreibend wurde es noch einmal am Frankfurter Flughafen. Das ganze Gerödel wollte transportiert werden und die Fahrstühle sind so mini, dass es schon eine logistische Aufgabe war. Wir waren super rechtzeitig als Erste am Check-In und hätten nach unserer Rechnung noch eine Stunde Zeit zum Verpacken der Räder, um trotzdem noch vorne in der Schlange zu sein. Womit wir nicht gerechnet hatten: Die meisten Passagiere schienen statt 2 eher 3 Stunden vor Abflug zu kommen. So waren wir leider eine der Letzten, die eincheckten.


TIPPS für Air Namibia:
  • Frühbucherrabatt bei Buchung bis Ende Januar
  • CheckIn eher 3 Stunden vor Abflug falls Platzwahl gewünscht
  • Flugzeiten werden häufig geändert. Nachfragen, bes. auch vor Rückflug
  • Flugpreis nach CapeTown ist nicht teurer als "nur" nach Windhoek, außer zusätzliche Flughafensteuer
  • Bei Zahlung am Flughafenschalter für z.B. Sperrgepäck Bargeld bereithalten. Kreditkarte wird nicht akzeptiert.

Der Flug verlief unspektakulär und leider nachts. Wir hätten zu gerne gesehen, worüber wir fliegen. Schließlich war es außer Nordafrika für uns beide faszinierendes Neuland. So verfolgten wir auf dem kleinen Monitor die Linie unseres Fluges auf der Afrika-Karte und ließen unsere Phantasie spielen.


20 January 2006

0 - Namibia Sommer 2006

Eigentlich sollte ich "Winter 2006" schreiben, aber für uns war es die Sommerreise des Jahres 2006.

Namibia geisterte in unseren Köpfen seit unserer ersten Fahrradreise nach Marokko. Als ich letztes Jahr in Ladakh ein holländisches Radlerpärchen traf , die mir von der Machbarkeit berichteten, war mir klar: Ich will da hin! Manchmal im Leben reicht so ein Beschluss, damit es wahr wird. Dass es so schnell sein sollte, freute mich natürlich, war aber eher ein Wunder.
Es trugen 4 Begebenheiten zur Verwirklichung bei:
  1. Frank kaufte "heimlich" einen Reiseführer mit wunderschönen Bildern bei einem meiner langen Buchhandlungsaufenthalten.
  2. Ich werde nicht jünger. Wer weiß, wie lange ich solche Reisen noch machen kann. Ja, schon ein Druck. Auch wenn ich mindestens bis 75 noch Abenteuerreisen machen möchte. :-)
  3. Als Frank im Winter den Unfall in Marokko hatte, half uns ein Pärchen mit Medikamenten. Der Mann war "zufällig" ein großer Afrika-Kenner und bereits mehrmals mit seinem Jeep in Namibia unterwegs gewesen. Er zeichnete uns eine Skizze seines Tourvorschlages, der sich genau mit Franks eigener Idee deckte.
  4. Im Januar surfte ich *nur so* nach Windhoek-Flügen. Uuups, LTU erhöht die Preise von Tag zu Tag. Aaaah, Air Namibia hat einen Early Bird-Preis und vor allem ist mein allererster Urlaubstag der allerletzte Tag der Nebensaison. Das wird in den nächsten x Jahren nicht mehr der Fall sein. Der Preis für den Transport des Fahrrades ist allerdings so hoch, dass dafür *fast* schon ein neues gekauft werden könnte. In Cpt mussten wir glücklicherweise dann etwas weniger zahlen als angekündigt.

Als sich im netten Telefonat mit der Namibia-Buchungszentrale herausstellte, dass ein Weiterflug nach Südafrika sozusagen im Preis mit eingeschlossen sei, außer zusätzlichen Flughafensteuern, kribbelte es und tut es auch wieder beim Schreiben: Ich fliege zu meinen Pinguinen. Den Pinguinen bei Boulders in der Nähe von Cape Town.
Ja, Pinguine in ihrer selbst gewählten Umgebung zu sehen, ist ein weiterer Traum, dessen Erfüllung eigentlich nur bei einem Lottogewinn lebbar gewesen zu sein schien.
Schon lustig, nach Südafrika zu fliegen und nur zu den Pinguinen zu wollen. Aber genau so machten wir es, damit von unserer eigentlichen Reise nach Namibia weder an Zeit noch an Eindrücken zu viel verloren ginge.

Unsere Runde stand für Frank eigentlich von Anfang an fest, doch ich *musste* natürlich noch ganz viele Wenn und Aber's beipuhlen.

Im März sah ich bei meinen Freunden Ingo und Beate die ersten Etosha-Photos meines Lebens. Bis dahin war eigentlich nur die Wüste mein Ziel gewesen, doch die Vorstellung, Nashörner, Zebras, Giraffen und Elefanten direkt vor meinen Augen in der faszinierenden Landschaft zu sehen, weckte Begehren.
Ich überredete Frank und stresste mich mächtig mit der Festlegung eines Zeitplanes, weil der notwendige Leihwagen und der Etosha-Zeltplatz gebucht sein mussten. So etwas ist nun gar nicht mein Ding und rangiert mit den ungeliebten Teilen einer Reise bei mir gleich hinter Packen. Ich gehöre nämlich zu der seltenen Spezies von Reisesüchtigen, die packen hassen und vor Reisefieber oft richtig krank sind. Manchmal schon habe ich auf meinem halbgepackten Rucksack gesessen und vor Verzweiflung beschlossen NIE wieder zu reisen.
Falls es noch jemandem so geht, kann er oder sie mir zur Gründung einer virtuellen Selbsthilfegruppe mailen. ;-)

Zum Glück heilt diese Krankheit, sowie ich die erste Stunde unterwegs bin. Meist bin ich total erschöpft, aber strahlend und freuend auf all das, was ich erleben werde.
So war es auch diesmal.

Unser Zeitplan: ........




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